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Lüneburger Heide

Sehenswürdigkeiten in der Lüneburger Heide

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Kultur & Sagen

Sagen von Totengrund, Salzsau und den Irrlichtern im Moor

Die Heide ist eine alte Kulturlandschaft, und ihre weiten, einsamen Flächen, die Moore und die nächtlichen Nebel haben über Jahrhunderte Erzählungen hervorgebracht. Schriftsteller wie Hermann Löns, der als „Heidedichter“ bekannt wurde, haben dieses Bild mitgeprägt. Was folgt, sind Volkssagen, keine Chronik.

Motorrad steht in blühender lila Heide am Waldrand
Blühende Heide an den Sandwegen der Südheide

Die bekannteste Sage rankt sich um den Totengrund, den großen Talkessel rund einen Kilometer südlich von Wilsede. Der Sage nach sollen hier zwei verfeindete, militärisch organisierte Riesengeschlechter aufeinandergetroffen sein – das eine aus Reinsehlen, das andere aus Einem. Die Gefallenen dieser Riesenschlacht seien im Talgrund begraben worden, woraus sich der Name „Totengrund" erkläre. Geologisch ist der Kessel freilich anders entstanden – wahrscheinlich durch kaltklimatische Prozesse der letzten Eiszeit –, doch die Riesensage gehört bis heute fest zum Ort.

Eine Gründungssage erklärt den Salzreichtum von Lüneburg. Der Sage von der Lüneburger Salzsau zufolge erlegten Jäger ein Wildschwein, dessen Borsten von weißen Kristallen starrten. Sie folgten der Spur des Tieres und stießen so auf die salzhaltige Quelle, aus der über tausend Jahre der Reichtum der Stadt floss. Ein erhaltenes Salzsau-Motiv erinnert in Lüneburg an diese Überlieferung.

Vom Bullen von Bardowick erzählt man, ein Stier habe Herzog Heinrich dem Löwen eine Furt durch das Gewässer gewiesen und ihm so die Eroberung der einst mächtigen Handelsstadt Bardowick ermöglicht – ein Gründungsmotiv, wie es viele norddeutsche Orte kennen.

Motorrad auf einem breiten Sandweg zwischen Heideflächen
Sandweg durch die Südheide

Allgegenwärtig in der Heide ist das Motiv der Irrlichter über den Mooren. Der Sage nach sollen die tanzenden, bläulichen Lichter über dem nächtlichen Moor verirrte Wanderer von den festen Pfaden weglocken, tiefer und tiefer ins Moor hinein, bis der Boden nachgibt. Plattdeutsch werden solche neckenden Moorgeister mancherorts als „Tückebold" oder ähnlich benannt. Was die Volkskunde als Erzählung deutet, hat einen realen Kern: Über Mooren können sich tatsächlich diffuse Lichterscheinungen zeigen, und der nasse Untergrund war für den nächtlichen Wanderer real lebensgefährlich.

Wie überall in Norddeutschland kennt auch die Heide Geschichten von weißen Frauen und nächtlichen Erscheinungen – etwa die überlieferten Prozessionen geisterhafter „weißer Mönche“ rund um die Lüneburger St.-Michaelis-Kirche. Solche Gestalten tauchen in der Sagensammlung der Region regelmäßig auf, ihre konkrete Form wechselt von Ort zu Ort.

Sehenswert

Salz, Fachwerk & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Wenn der norddeutsche Himmel zumacht – und das tut er gern auch im Sommer –, hat die Heide genug überdachte Ziele, um aus einem verregneten Tag einen guten zu machen. Die meisten lassen sich gut mit dem Motorrad anfahren und bieten trockene Parkmöglichkeiten in der Nähe.

Erste Adresse ist das Deutsche Salzmuseum in Lüneburg. Es steht am Ort der historischen Saline und erzählt die Geschichte des „weißen Goldes", das die Stadt über tausend Jahre reich und mächtig machte. Die Saline war eine der ältesten und größten Industrieanlagen Europas, bis sie 1980 schloss. Das Museum macht anschaulich, wie das Salz gesiedet wurde und wie tief diese Industrie die Stadt geprägt hat – bis hin zum sichtbaren Senkungsgebiet der Altstadt, wo der jahrhundertelange Salzabbau im Untergrund Teile der Stadt absenken ließ und viele liebevoll restaurierte kleine Häuser schief stehen.

Lüneburg selbst ist bei Regen ein lohnendes Pflaster: Unter den Arkaden und in den Gassen der unzerstörten Hansestadt lässt sich der Salzhandel und die Hansegeschichte nachvollziehen. Den Titel „Hansestadt" trägt Lüneburg seit 2007 wieder offiziell. Das mittelalterliche Rathaus von 1230 und die Giebelhäuser am Sande sind auch bei schlechtem Wetter eindrucksvoll.

Im Süden ist das Celler Schloss der richtige Anlaufpunkt. Das Welfenschloss mit Residenzmuseum und der Renaissance-Schlosskapelle bietet Stunden trockenen Programms, und das dichte Fachwerk der Altstadt lädt zu einem Bummel unter Vordächern ein.

Wer Geschichte mit Stille verbinden möchte, fährt zu den Heideklöstern. Das Kloster Ebstorf bei Uelzen, seit 1197 belegt, ist eines der bedeutendsten. Sein größter Schatz ist die Ebstorfer Weltkarte, die größte und umfassendste Weltkarte des Mittelalters mit über 2.300 Darstellungen und Texten. Das Original wurde 1943 bei einem Luftangriff im niedersächsischen Staatsarchiv in Hannover zerstört; in Ebstorf hängt heute eine originalgetreue Nachbildung. Führungen finden saisonal von April bis Mitte Oktober statt, teils als eigene Führung speziell zur Weltkarte. Adresse: Kirchplatz 10, 29574 Ebstorf, Telefon 05822 2304. Daneben lohnen das schon erwähnte Kloster Wienhausen bei Celle und das Kloster Lüne am Rand von Lüneburg, beide mit gut erhaltener mittelalterlicher Klausur.

Sehenswert

Natur-Stopps am Wegesrand: Heideblüte, Pietzmoor und Heidschnucken

Das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide ist das älteste und größte Naturschutzgebiet Niedersachsens. Erstmals 1921 als Naturschutzpark ausgewiesen und 1922 förmlich unter Schutz gestellt, umfasst es heute rund 23.440 Hektar. Den Grundstein legte 1906 Pastor Wilhelm Bode, der mit einer Spende von 6.000 Goldmark die Fläche rund um den Totengrund ankaufte und damit den frühen Naturschutz in Deutschland mitbegründete. Das Kerngebiet rund um Wilsede ist bis heute autofrei – ein wesentlicher Grund, warum die Landschaft so ursprünglich wirkt.

Der absolute Höhepunkt des Naturjahres ist die Heideblüte. Von Anfang August bis Ende September färbt das Besenheidekraut die Flächen in ein weites, lilafarbenes Blütenmeer. Besonders eindrucksvoll ist dieses Schauspiel im Totengrund bei Wilsede, wo sich an frühen Septembermorgen oft noch Bodennebel über das blühende Tal legt. Wer die Blüte erleben will, sollte allerdings wissen: Es ist die Hauptsaison, die Parkplätze und Dörfer sind voll, und an Wochenenden wird es eng.

Für ein Naturerlebnis abseits der trockenen Heide lohnt das Pietzmoor bei Schneverdingen, das größte zusammenhängende Moor der Lüneburger Heide. Auf rund fünf Kilometern führt ein Bohlenweg über Stege durch eine über 8.000 Jahre alte Hochmoorlandschaft. Seit dem 16. Jahrhundert wurde hier Torf gestochen, der in der weitgehend baumlosen Heide das Brennholz ersetzte. Heute leben im Moor Wollgras, Torfmoose, Sonnentau und mit etwas Glück Libellen, Moorfrösche und seltene Vögel. Das Motorrad bleibt am Parkplatz, die Runde geht zu Fuß.

Durch die Heide ziehen außerdem ruhige, klare Flüsse. Die Örtze zieht sich über rund 62 Kilometer durch die Heide, vorbei an Müden/Örtze, bis sie bei Winsen in die Aller mündet; sie gilt als einer der schönsten und abwechslungsreichsten Heideflüsse – bei Paddlern besonders beliebt. Die Böhme fließt auf etwa 71 Kilometern durch den Heidekreis über Soltau und Bad Fallingbostel zur Aller; das Böhmetal mit seinen Wiesen und schattigen Wäldern ist ein schönes Ziel für eine gemütliche Pause am Wasser. Beide Flusstäler bieten Rastplätze und Einkehrmöglichkeiten an den Brücken und Ortsdurchfahrten.

Charakterbild der Heide sind die Heidschnucken, eine kleine, robuste, an die rauen Bedingungen angepasste Schafrasse. Die Graue Gehörnte Heidschnucke wird heute gezielt zur Landschaftspflege eingesetzt – ohne die abweidenden Herden würde die offene Heide rasch verbuschen und wieder zu Wald werden. Begegnet man einer Herde mit Schäfer am Straßenrand, ist Geduld angesagt: anhalten, durchlassen, und die Gelegenheit für ein Foto nutzen.

Dünne Decken auf Sand: Untergrund, Alleen und Pflaster

Die Geest besteht aus eiszeitlichem Sand, und dieser Untergrund prägt die Nebenstraßen stärker als jedes Höhenprofil. Viele Kreis- und Gemeindestraßen sind schmal, tragen eine dünne Asphaltdecke und haben kein befestigtes Bankett. Die Folge sind Kantenabbrüche: Der äußere Fahrbahnrand bröckelt weg, sackt ab oder endet an einer Stufe zum weichen Randstreifen. Für ein Motorrad ist das vor allem beim Ausweichen und beim Rechtsfahren in engen Ortsdurchfahrten relevant. Frost-Tau-Wechsel arbeiten zusätzlich an den Decken, entsprechend häufig sind Flickstellen, Spurrinnen und frisch ausgebesserte Abschnitte mit losem Splitt.

Der zweite Punkt ist der Eintrag von außen. Forstwirtschaft und Landwirtschaft nutzen dieselben Einmündungen, an denen die Landstraße vorbeiführt; nach Holzernte oder in der Erntezeit liegt Sand und Erde in einem breiten Fächer auf der Fahrbahn. Trockener Sand auf trockenem Asphalt ist heimtückischer als eine nasse Straße, weil er optisch kaum auffällt.

Alleen

Ein typisch norddeutsches Sicherheitsthema sind die Alleen. Viele Nebenstraßen sind beidseitig von alten, dicht stehenden Bäumen gesäumt. Das sieht eindrucksvoll aus, hat aber zwei Konsequenzen: Erstens ist ein Baumstamm bei einem Abkommen von der Fahrbahn ein unnachgiebiges Hindernis, zweitens wechseln Licht und Schatten im schnellen Takt – bei tief stehender Sonne entsteht ein flirrendes Streifenmuster, das die Tiefenwahrnehmung stört und nasse Stellen oder Schlaglöcher verschluckt. Tempo zurücknehmen und mit Reserve fahren ist auf diesen Strecken die einzige Antwort darauf.

Die Baumreihen entlang vieler Nebenstraßen haben einen praktischen Nebeneffekt, der selten bedacht wird: Unter dem geschlossenen Kronendach trocknet die Fahrbahn deutlich langsamer als auf freier Strecke. Nach einem Schauer kann eine Allee noch nass und mit Algen- oder Moosbelag am Rand versehen sein, während die Heidefläche zweihundert Meter weiter längst abgetrocknet ist. Im Herbst kommt nasses Laub dazu, im Frühjahr Blütenstaub und Pollenschlamm. Ältere Alleen haben außerdem Wurzelbuckel, die die Decke von unten anheben — kurze, harte Wellen mitten in der Kurve.

Pflaster

Kopfsteinpflaster begegnet einem hier nicht nur in den Altstädten, sondern auch in Dorfdurchfahrten, auf Hofzufahrten und an alten Ortsplätzen. Die Fahrbahn ist dort meist zur Mitte gewölbt, Gullydeckel und Schachtabdeckungen liegen tiefer als das umgebende Pflaster, und die Fugen führen das Vorderrad beim Einlenken gern selbstständig. Nass wird das zusätzlich unangenehm. Wer in einem Dorf oder am Straßenrand parkt, achtet außerdem auf den Seitenständer: Sandiger Untergrund am Fahrbahnrand trägt eine vollgetankte Reisemaschine nicht zuverlässig.

Wegegebot statt Abkürzung: die Rechtslage im Schutzgebiet

Das Kerngebiet der Heide ist für Kraftfahrzeuge gesperrt, und das ist für die Routenplanung kein Detail, sondern die harte Grenze, an der jede kreative Linienführung endet. Zwischen den Heidedörfern liegt ein dichtes Netz aus Sand-, Schotter- und Plattenwegen, das in Kartendiensten und auf Navigationsgeräten häufig wie ein ganz normales Nebenstraßennetz aussieht. Genau daraus entstehen die Fehler: Das Gerät rechnet eine vermeintliche Verbindung von Undeloh nach Niederhaverbeck aus, und am Ortsausgang steht eine Schranke, ein Poller oder ein Verbotszeichen. Wer trotzdem weiterfährt, bewegt sich nicht in einer Grauzone, sondern begeht eine Ordnungswidrigkeit. Große Teile der Flächen befinden sich im Eigentum der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide, die das Gebiet mit eigenem Personal betreut; Kontrollen sind gerade in der Hauptsaison Routine.

Zwei Begriffe werden dabei regelmäßig verwechselt. Der Naturpark ist eine großflächige Kulisse, in der die öffentlichen Straßen ganz normal befahrbar sind. Das Naturschutzgebiet in seiner Mitte ist der Bereich mit der scharfen Regel. Unabhängig davon gilt in Niedersachsen ohnehin, dass der Wald außerhalb öffentlicher Straßen nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf — auch dann nicht, wenn keine Schranke im Weg steht und der Weg breit und fest wirkt. Für Motorradfahrer heißt das: Die Heide ist ein reines Asphaltrevier. Wer Schotter sucht, ist hier falsch, und wer die Runde sauber am Rand des Schutzgebiets entlang plant, verliert dadurch nichts — die Zufahrtsstraßen zu den Dörfern sind ohnehin die interessanteren Abschnitte.

Rote Flaggen und Kettenspuren: unterwegs an den Truppenübungsplätzen

Ein erheblicher Teil der mittleren Heide ist militärisches Gelände. Der Truppenübungsplatz Bergen zählt zu den größten in Westeuropa, dazu kommen die Plätze Munster Nord und Munster Süd. Zusammen schneiden sie ein Loch in die Landkarte, das kein Straßennetz füllt: Zwischen Bergen, Munster, Wietzendorf und Faßberg gibt es weite Bereiche ohne jede öffentliche Durchfahrt. Wer den Verlauf nicht kennt, plant Runden, die auf dem Papier logisch aussehen und in der Realität in einer Sackgasse mit Schlagbaum enden.

Einzelne öffentliche Verbindungen führen durch Randbereiche des Geländes und werden bei Schieß- und Übungsbetrieb gesperrt. Angekündigt wird das über Schranken, Warnleuchten, rote Flaggen und Posten. Diese Sperrungen sind unregelmäßig und kurzfristig, es gibt dafür keinen Fahrplan zum Auswendiglernen — die einzige belastbare Vorbereitung ist eine Ausweichvariante im Kopf. Was hinter der Absperrung liegt, ist militärischer Sicherheitsbereich mit Munitionsbelastung; ein Abstellen des Motorrads am Rand für den kurzen Blick über den Zaun verbietet sich von selbst.

Auf den umliegenden Straßen hinterlässt der Übungsbetrieb Spuren im Wortsinn. An den gekennzeichneten Übergängen queren Kettenfahrzeuge die Fahrbahn und tragen Sand, Lehm und Erde auf den Asphalt — nach Regen eine dünne, rutschige Schicht, die ausgerechnet dort liegt, wo man sie nicht erwartet. Dazu kommen Militärkolonnen auf den Bundesstraßen: langsam, lang, mit definierten Abständen zwischen den Fahrzeugen. In diese Lücken einzuscheren ist ein schlechter Plan, weil sie beim Bremsen und Anfahren der Kolonne verschwinden. Wer sich für das Thema interessiert, findet in Munster das Deutsche Panzermuseum. Am Rand des Übungsplatzes liegt außerdem die Gedenkstätte Bergen-Belsen auf dem Gelände des früheren Konzentrationslagers — ein Ort, der einen eigenen Besuch verdient und keinen Zwischenstopp auf einer Ausfahrt.

Fähren, Deiche und die dünnen Verbindungen im Osten

Östlich von Lüneburg endet die Geest und die Elbtalaue beginnt — eine flache, weite Marschlandschaft, die als Biosphärenreservat geschützt ist. Fürs Fahren ist eine Eigenheit entscheidend: Zwischen Lauenburg und Dömitz gibt es keine Elbbrücke. Wer auf die andere Seite will, nimmt eine Fähre, etwa bei Bleckede oder bei Neu Darchau. Beides sind reguläre Verkehrsverbindungen und keine Attraktion, aber sie haben Betriebszeiten und sie fallen aus: Hochwasser, extremes Niedrigwasser, Eisgang oder Wartung legen den Verkehr zeitweise still. Wer eine Runde über beide Elbufer plant, braucht deshalb zwingend eine Alternative im Kopf — der Umweg über die nächste feste Querung ist im Zweifel erheblich.

Auf dem östlichen Ufer liegt Amt Neuhaus, das erst 1993 vom mecklenburgischen zum niedersächsischen Gebiet wechselte und bis heute etwas abseits wirkt. Prägend sind die Deiche: Die Deichkronen und die Verteidigungswege sind für Kraftfahrzeuge gesperrt, auch wenn sie asphaltiert sind und verlockend am Strom entlanglaufen. Das Straßennetz führt stattdessen in weiten Bögen um die Vorländer herum, mit vielen Sackgassen, die an einem Deich oder an einem Anleger enden.

Wendland

Der Landkreis Lüchow-Dannenberg ist der abgelegenste Teil der Region: kein Autobahnanschluss, sehr dünne Besiedlung, Jahrzehnte als Randlage an der innerdeutschen Grenze. Genau daraus entsteht der Reiz — Straßen, auf denen über weite Abschnitte niemand fährt, dazu die Rundlingsdörfer mit ihren kreisförmig um einen Platz gruppierten Höfen, etwa in Satemin oder Lübeln. Die Zufahrten dorthin sind eng, oft gepflastert und enden im Dorf; durchfahren lassen sich die Rundlinge in der Regel nicht.

Zwei praktische Konsequenzen: Die Tankstellendichte ist gering und viele Stationen haben keine Nachtöffnung, also im Wendland nicht auf Reserve fahren. Und das Werkstattnetz ist dünn — was in Lüneburg oder Uelzen eine Stunde dauert, wird hier zur Tagesaufgabe. Wer Zeit hat, nimmt die Verbindung über Dannenberg zur Dömitzer Elbbrücke; die Ruine der alten Eisenbahnbrücke daneben ist eines der markanteren Bauwerke der Gegend.

Lüneburg, Celle und die Heidedörfer: Ziele am Weg

Die Stärke der Heide für Motorradfahrer liegt darin, dass sich Landschaft und Kultur dicht abwechseln. Zwischen zwei Heideflächen liegt eine Hansestadt, zwischen zwei Waldstücken ein Heidedorf mit reetgedeckten Höfen. Die folgenden Ziele lassen sich gut zu Tagesrunden verknüpfen.

Lüneburg ist der natürliche Ankerpunkt im Norden. Die Hansestadt verdankt ihren Reichtum dem Salz, das über tausend Jahre hier gesiedet wurde, bis die Saline 1980 schloss. Weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört blieb, steht heute eine zusammenhängende mittelalterliche Altstadt aus Backstein und Fachwerk mit Treppen- und Schweifgiebeln. Sehenswert sind der Marktplatz mit dem Rathaus – dem größten mittelalterlichen Rathaus Norddeutschlands –, der Platz Am Sande mit seinen prächtigen Giebelhäusern und der Stintmarkt am Ilmenau-Hafen, ein beliebtes Fotomotiv. Über den Dächern thront der Wasserturm von 1905–1907, der heute als Aussichtsturm einen Rundblick bietet. Parken sollte man am besten in einem der Parkhäuser am Altstadtrand, weil die Gassen eng, teils gepflastert und für Motorräder unbequem sind.

Der Rang der Stadt ist älter als der Tourismus. Über die Alte Salzstraße ging das hier gesiedete Salz Richtung Lauenburg und weiter nach Lübeck — eine Handelsachse, deren Verlauf sich in heutigen Straßenzügen und Ortsfolgen noch nachvollziehen lässt. Für die Anfahrt bedeutet die Lage: Von Norden kommt man über die Elbquerung bei Lauenburg, von Westen über die Achsen aus dem Hamburger Umland, von Süden aus der Heide heraus.

Celle im Süden der Heide ist der zweite große Stadtbaustein. Die Altstadt gilt mit rund 480 historischen Fachwerkhäusern, überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert, als eines der dichtesten Fachwerkensembles überhaupt. Am Rand der Altstadt liegt das Celler Schloss, ein imposantes Welfenschloss mit Residenzmuseum; die Schlosskapelle gilt als bedeutendes Zeugnis der Renaissancekunst in Norddeutschland. Das Schlosstheater ist eines der ältesten noch bespielten Barocktheater Europas. Für Motorräder gibt es Stellflächen an den Altstadträndern; die Fußgängerzone selbst bleibt tabu.

Angelegt wurde Celle im Mittelalter planmäßig, was man dem weitgehend rechtwinkligen Grundriss der Altstadt bis heute ansieht — ungewöhnlich für eine gewachsene norddeutsche Stadt. Neben dem Stadtbild ist das Niedersächsische Landgestüt ein Ziel, das man ohne Voranmeldung ansteuern kann; die Hengstparaden im Herbst ziehen entsprechend Verkehr an. Wer von Celle aus nach Norden startet, hat den Wechsel von der Allerniederung in die Kiefernwälder der Südheide innerhalb einer halben Stunde vor dem Vorderrad — und damit die eigentliche Qualität der Region: kurze Wege zwischen sehr unterschiedlichen Landschaften.

Das landschaftliche Herzstück ist der Wilseder Berg mit 169 Metern. Erreichbar ist er nicht mit dem Motorrad, sondern nur über die Besucherparkplätze und dann zu Fuß, per Rad oder Kutsche. Wer die Maschine in Undeloh oder Niederhaverbeck abstellt und die kurze Wanderung auf sich nimmt, bekommt vom Gipfel den weiten Blick über die Heideflächen – besonders zur Blütezeit ein Höhepunkt. Der Parkplatz in Undeloh liegt am Ende der Wilseder Straße; von dort verkehrt auch eine planmäßige Kutschverbindung nach Wilsede.

Die Heidedörfer selbst sind das Ziel. Undeloh mit seiner alten Feldsteinkirche und den reetgedeckten Höfen sowie Niederhaverbeck und Oberhaverbeck sind klassische Tore zum Naturschutzgebiet. Die Anfahrtsstraßen dorthin gehören zu den schönsten Streckenteilen der ganzen Region: schmal, kurvig, von Wald und Heide gerahmt. In den Orten herrscht zur Saison reger Betrieb, also defensiv durchrollen.

Für Familienausflüge und Schlechtwettertage bieten sich die großen Parks an. Der Weltvogelpark Walsrode ist nach eigener Darstellung der weltweit größte Vogelpark mit Hunderten Arten in einer weitläufigen Parkanlage. Der Serengeti-Park Hodenhagen ist ein Tier- und Freizeitpark, durch dessen Safari-Gehege man im Auto oder Safaribus fährt – für den durchreisenden Motorradfahrer eher ein Tagesstopp mit Begleitung als ein spontaner Halt. Beide liegen verkehrsgünstig im Südwesten der Heide nahe der A7.

Kulturell lohnt das Kloster Wienhausen östlich von Celle, eines der berühmten Heideklöster mit gut erhaltener mittelalterlicher Ausstattung. Es ist ein ruhiger, lohnender Anlaufpunkt abseits der Hauptachsen und lässt sich gut mit einer Südheide-Runde verbinden. Besichtigt wird über feste Führungszeiten, die saisonal wechseln.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Wilseder Berg

Mit 169,2 Metern die höchste Erhebung der Lüneburger Heide. Vom kahlen Kuppenrand reicht der Blick weit über die offene Heide, bei klarer Sicht bis zum Hamburger Fernsehturm.

Anfahrt
Landstraßen nach Undeloh (aus Richtung Egestorf/Hanstedt) oder nach Niederhaverbeck bei Bispingen; der Gipfel liegt im autofreien Kern des Naturschutzgebiets.
Motorrad-Parken
Motorrad auf den Ortsparkplätzen in Undeloh oder Niederhaverbeck abstellen; ab dort mehrere Kilometer zu Fuß oder per Pferdekutsche, keine Zufahrt zum Berg.
Öffnungszeiten
frei zugänglich
Höhe/Aussicht
169,2 m ü. NHN, höchster Punkt der Region

Lopausee bei Amelinghausen

Aufgestauter Oberlauf der Lopau, ein ruhiger Wasser-Fotostopp am Rand des Naturparks. Lässt sich gut in eine West-Ost-Runde entlang der Heideachse einbauen.

Anfahrt
Östlich von Amelinghausen, direkt an der B209 zwischen Soltau und Lüneburg.
Motorrad-Parken
Parkplätze am Ortsrand von Amelinghausen bzw. am See; für Motorräder unproblematisch.
Öffnungszeiten
frei zugänglich

Altstadt Lüneburg

Alte Salz- und Hansestadt mit rund 1.300 denkmalgeschützten Backsteinhäusern. Am Platz Am Sande zeigen schief gesackte Giebel, wie der Salzabbau den Untergrund absinken ließ.

Anfahrt
Am Nordostrand der Heide an der Ilmenau, über B4 und B209 erreichbar, rund 50 km südöstlich von Hamburg.
Motorrad-Parken
Motorradstellplätze und Parkhäuser am Altstadtring; die Gassen im Kern sind eng und teils Fußgängerzone.
Öffnungszeiten
Altstadt frei zugänglich

Altstadt und Schloss Celle

Geschlossen erhaltene Fachwerk-Altstadt mit über 400 Fachwerkhäusern und dem Welfen-Residenzschloss. Als südliches „Tor zur Heide“ blieb der Kern im Zweiten Weltkrieg unzerstört.

Anfahrt
Am Südrand der Heide an der Aller, über die B3 aus Richtung Soltau bzw. Hannover.
Motorrad-Parken
Parkhäuser und Parkplätze am Altstadtring; die Innenstadt ist weitgehend Fußgängerzone.
Öffnungszeiten
Altstadt frei zugänglich; Schloss und Residenzmuseum mit eigenen Öffnungszeiten

Weltvogelpark Walsrode

Der größte Vogelpark der Welt: rund 650 Arten und etwa 4.000 Vögel auf 24 Hektar. Seit 1962 ein fester Anlaufpunkt am Südwestrand der Heide.

Anfahrt
Am nördlichen Stadtrand von Walsrode (Am Vogelpark, 29664), an der B209 und nahe A7/A27.
Motorrad-Parken
Großer Besucherparkplatz direkt am Park, Motorräder unproblematisch.
Öffnungszeiten
Öffnungszeiten saisonal, einzelne Schließtage möglich — aktuelle Zeiten beim Betreiber prüfen

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