Die Stärke der Heide für Motorradfahrer liegt darin, dass sich Landschaft und Kultur dicht abwechseln. Zwischen zwei Heideflächen liegt eine Hansestadt, zwischen zwei Waldstücken ein Heidedorf mit reetgedeckten Höfen. Die folgenden Ziele lassen sich gut zu Tagesrunden verknüpfen.
Lüneburg ist der natürliche Ankerpunkt im Norden. Die Hansestadt verdankt ihren Reichtum dem Salz, das über tausend Jahre hier gesiedet wurde, bis die Saline 1980 schloss. Weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört blieb, steht heute eine zusammenhängende mittelalterliche Altstadt aus Backstein und Fachwerk mit Treppen- und Schweifgiebeln. Sehenswert sind der Marktplatz mit dem Rathaus – dem größten mittelalterlichen Rathaus Norddeutschlands –, der Platz Am Sande mit seinen prächtigen Giebelhäusern und der Stintmarkt am Ilmenau-Hafen, ein beliebtes Fotomotiv. Über den Dächern thront der Wasserturm von 1905–1907, der heute als Aussichtsturm einen Rundblick bietet. Parken sollte man am besten in einem der Parkhäuser am Altstadtrand, weil die Gassen eng, teils gepflastert und für Motorräder unbequem sind.
Der Rang der Stadt ist älter als der Tourismus. Über die Alte Salzstraße ging das hier gesiedete Salz Richtung Lauenburg und weiter nach Lübeck — eine Handelsachse, deren Verlauf sich in heutigen Straßenzügen und Ortsfolgen noch nachvollziehen lässt. Für die Anfahrt bedeutet die Lage: Von Norden kommt man über die Elbquerung bei Lauenburg, von Westen über die Achsen aus dem Hamburger Umland, von Süden aus der Heide heraus.
Celle im Süden der Heide ist der zweite große Stadtbaustein. Die Altstadt gilt mit rund 480 historischen Fachwerkhäusern, überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert, als eines der dichtesten Fachwerkensembles überhaupt. Am Rand der Altstadt liegt das Celler Schloss, ein imposantes Welfenschloss mit Residenzmuseum; die Schlosskapelle gilt als bedeutendes Zeugnis der Renaissancekunst in Norddeutschland. Das Schlosstheater ist eines der ältesten noch bespielten Barocktheater Europas. Für Motorräder gibt es Stellflächen an den Altstadträndern; die Fußgängerzone selbst bleibt tabu.
Angelegt wurde Celle im Mittelalter planmäßig, was man dem weitgehend rechtwinkligen Grundriss der Altstadt bis heute ansieht — ungewöhnlich für eine gewachsene norddeutsche Stadt. Neben dem Stadtbild ist das Niedersächsische Landgestüt ein Ziel, das man ohne Voranmeldung ansteuern kann; die Hengstparaden im Herbst ziehen entsprechend Verkehr an. Wer von Celle aus nach Norden startet, hat den Wechsel von der Allerniederung in die Kiefernwälder der Südheide innerhalb einer halben Stunde vor dem Vorderrad — und damit die eigentliche Qualität der Region: kurze Wege zwischen sehr unterschiedlichen Landschaften.
Das landschaftliche Herzstück ist der Wilseder Berg mit 169 Metern. Erreichbar ist er nicht mit dem Motorrad, sondern nur über die Besucherparkplätze und dann zu Fuß, per Rad oder Kutsche. Wer die Maschine in Undeloh oder Niederhaverbeck abstellt und die kurze Wanderung auf sich nimmt, bekommt vom Gipfel den weiten Blick über die Heideflächen – besonders zur Blütezeit ein Höhepunkt. Der Parkplatz in Undeloh liegt am Ende der Wilseder Straße; von dort verkehrt auch eine planmäßige Kutschverbindung nach Wilsede.
Die Heidedörfer selbst sind das Ziel. Undeloh mit seiner alten Feldsteinkirche und den reetgedeckten Höfen sowie Niederhaverbeck und Oberhaverbeck sind klassische Tore zum Naturschutzgebiet. Die Anfahrtsstraßen dorthin gehören zu den schönsten Streckenteilen der ganzen Region: schmal, kurvig, von Wald und Heide gerahmt. In den Orten herrscht zur Saison reger Betrieb, also defensiv durchrollen.
Für Familienausflüge und Schlechtwettertage bieten sich die großen Parks an. Der Weltvogelpark Walsrode ist nach eigener Darstellung der weltweit größte Vogelpark mit Hunderten Arten in einer weitläufigen Parkanlage. Der Serengeti-Park Hodenhagen ist ein Tier- und Freizeitpark, durch dessen Safari-Gehege man im Auto oder Safaribus fährt – für den durchreisenden Motorradfahrer eher ein Tagesstopp mit Begleitung als ein spontaner Halt. Beide liegen verkehrsgünstig im Südwesten der Heide nahe der A7.
Kulturell lohnt das Kloster Wienhausen östlich von Celle, eines der berühmten Heideklöster mit gut erhaltener mittelalterlicher Ausstattung. Es ist ein ruhiger, lohnender Anlaufpunkt abseits der Hauptachsen und lässt sich gut mit einer Südheide-Runde verbinden. Besichtigt wird über feste Führungszeiten, die saisonal wechseln.